Dienstag, 31. Juli 2012
Glasbruch-Montag
Wow, da komme ich nach drei Monaten in München wieder nach Hause in meine kleine behütete Universitätsstadt und es ist tatsächlich alles beim Alten. Ich schließe die Tür auf, mein Mitbewohner steht in der Küche und kocht irgendeinen Brei mit viel zu viel Ketchup zusammen, wir rauchen eine Zigarette und produzieren verbalen Müll - alles beim Alten.
Das ändert sich auch nicht als sich mein zweiter Mitbewohner aus dem Bad quält sich seine Klamottenüberstreift und zu seinem Dienst in der Stammkneipe aufbricht. "Kommst du nachher rum", fragt er in meine Richtung, als wäre ich niemals weggewesen. "Klaro!" Ich war froh, dass alles beim Alten blieb. Also: Fladenbrot mit Käse zwischen die Kiemen, unter die Dusche und los. Ich ging aus der Tür, den üblichen Weg, die Hauptstraße war noch immer eine einzige Baustelle - es waren eben nur drei Monate. In der Kneipe angekommen setzte ich mich auf meinen üblichen Stuhl, trank mit den anderen Stammgästen einige Biere und machte mich halb drei auf den Heimweg, die Autofahrt hatte geschlaucht. Ich öffnete die Kneipentür und machte einen Schritt nach vorne. Es knirschte. Ein Glas war vor der Kneipe zu Bruch gegangen. Jaja, die Suffies, dachte ich. Doch wie ich an der Häuserfront langging und um die Ecke bog schien es mir, als hätten meine Freunde mir einen neuen Sport verschwiegen. Große Braune Scherben lagen auf dem Gehweg, die Flasche schien leer, keine Spur von einem Getränkefleck. Etwa 50 Meter weiter das gleiche Bild, jedoch auf der Straße. Flaschenwerfen und das schönste Bild gewinnt dachte ich mir und ging meines Weges.
Der nächste Haufen am Prüfungsamt bestand aus grünen Splittern, sie waren schon verteilt, unachtsame Passanten hatten wohl dieses Kunstwerk zerstört - was für ein Frevel. Einige weitere Kunstwerke säumten meinen Heimweg. Doch der Sieger dieses Wettbewerbes werkelte auf der letzten Kreuzung, die ich beschreiten musste. Klarglas in all seinen Einzelteilen. Der Erschaffer dieses Meisterwerks muss wohl einige Autos über die großen Scherben dirigiert haben. Ein würdiger Sieger dieses Glasbruch-Montags.

Noch was?
Mit meinem Hund bin ich übrigens dann in die andere Richtung auf die nächtliche Runde gegangen. Er hat keinen Sinn für Kunst.

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